Wie digitale Werkzeuge dein Lernen optimieren können

Die digitalen Kompetenzen der zukünftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu stärken ist zweifelsohne ein wichtiger Aspekt, der es erforderlich macht, digitale Lern-, Kommunikations- und Kollaborationstools sowie Präsentations- und Organisationstools stärker in den Lern- und Arbeitsalltag zu integrieren. 

Digitale Werkzeuge anzuwenden hat jedoch noch einen anderen alles entscheidenden Vorteil: Sie können dich auf eine besondere Weise für das Lernen motivieren, die dazu führt, dass du das Erlernte länger behalten kannst. Wenn dies dein Ziel ist, muss der Anstoß zum Lernen nämlich von Innen, d. h. aus dir selbst heraus erfolgen. Diese intrinsische Motivation ist es, die dazu führt, dass du dein Wissen länger behalten kannst. Behalten allein heißt nicht, dass du es auch automatisch richtig anwenden kannst – hierzu ist ein situationsabhängiges Integrieren des Wissens im Rahmen deines Handelns nötig – aber zumindest hast du die Möglichkeit, in Handlungssituationen auf weitaus mehr Wissen zurückzugreifen, als im Falle bloßer zielorientierter, extrinsischer Motivation. Lustloses Lernen, das einzig und allein mit Blick auf deine Noten abschlussorientiert ist, kann zwar für den Moment genauso erfolgreich sein wie begeistertes Lernen, kostet aber im Zeitverlauf ungleich mehr, da es nach dem Vergessen erneut gelernt werden muss.

Die Motivationspsychologie stellt vier evolutionär angelegte psychische Grundbedürfnisse des Menschen heraus, die, wenn sie überwiegend erfüllt werden, deine intrinsische, innerliche Motivation erhöhen. Dies sind:

 

  • Selbstwerterhöhung/Kompetenzempfinden,
  • Kontrolle/Orientierung/Autonomie,
  • Soziale Eingebundenheit/Bindung,
  • Lustgewinn/Unlustvermeidung.

 

Das digitale Lernen macht es dir recht einfach, diese Bedürfnisse zu stillen. Bedenke, allein wenn eines dieser Bedürfnisse auf Dauer nicht angesprochen wird, sinkt bereits deine Motivation zum Lernen auf ein Minimum. Diese Bedürfnisse zu erfüllen, ist darüber hinaus – mit Blick auf dein gesamtes Leben – eine Anleitung zum Glücklichsein.

 

Selbstwerterhöhung/Kompetenzempfinden

Jeder Mensch möchte Erfolgserlebnisse haben und stolz auf sich sein. Ohne positive Rückmeldungen stellt sich deine intrinsische Motivation auf Dauer ein.

Wer kommt denn in Frage, um dir positive Rückmeldungen zu geben? Dies können Angehörige sein, Freunde, Mitschüler/-innen oder deine Lehrer/-innen. Da deine Lernbegleiter/-innen aber nicht jeden deiner Lernprozesse individuell begleiten können, hast du vielleicht das Gefühl, dass du zu selten eine angemessene Rückmeldung zu deinem Lernstand erhältst.

Digitales Lernen eröffnet dir an dieser Stelle neue Möglichkeiten: Viele Lern-Apps geben dir sofort ein individuelles Feedback: Prima, das hast du gut gemacht, heißt es etwa bei LearningAppsKahoot! zeigt dir, welche Position du auf dem Siegertreppchen einnimmst, Quizizz spornt dich nach richtigen Antworten mit einem „Yeah“ oder „Perfect Game“ an und auch in Sprachlern-Apps wird mit positiver Rückmeldung gearbeitet. Umgekehrt erfährst du natürlich auch sofort, an welchen Stellen noch Lernpotenzial besteht; eine Selbstreflexion wird angestoßen.

Dein Kompetenzempfinden nimmt aber auch an anderer Stelle zu, nämlich wenn du von Freunden oder anderen Lernenden eine positive Rückmeldung zu einem Wiki-Artikel oder etwa einem Erklärvideo erhältst, das du auf Social-Media-Kanälen oder im Klassenverteiler teilst. Die Chance, positive Rückmeldungen zu erhalten, hat sich durch die digitale Zugänglichkeit, das kollaborative Arbeiten und Teilen von Wissen enorm vergrößert.

 

Kontrolle/Autonomie

Es gibt den tiefen Wunsch in uns, unser Leben selbstständig zu gestalten, Einfluss zu nehmen auf Situationen, schlichtweg eigene Entscheidungen zu treffen. So manches Mal stehen wir Situationen ohnmächtig gegenüber und merken, dass wir ihnen ausgeliefert sind. Dieses Empfinden hast du vielleicht auch manchmal beim Lernen: Du hast das Gefühl, dass du dich nicht selbst dafür entschieden hast, Aufgaben zu bearbeiten oder Texte zu schreiben, es ist sozusagen nicht DEINE von DIR gewählte Aufgabe. Das liegt aber daran, dass du sie nicht zu deiner persönlichen Aufgabe gemacht hast. Es ist ja im ersten Augenblick angenehm, wenn dir auf deinem Lernweg wenig Steine in den Weg gelegt werden und dir alles, was du benötigst, vom Helikopterlehrer im Eilflug geliefert wird. Lass dich nicht in deiner Selbständigkeitsentwicklung blockieren! Je unselbständiger sich dein Lernprozess vollzieht, desto weniger bist du intrinsisch motiviert! Und das ist zu bedauern, nicht nur weil sich dein Wissen schneller verflüchtigt, sondern auch, weil autonome Denkprozesse innovatives Denken fördern.

Es lohnt sich, deinen eigenen Weg/Zugang zum Lerninhalt zu suchen! Ein optimaler Lernprozess appelliert zunächst an deinen Forschergeist. Überprüfe den allgemeinen Sinn und Nutzen eines Lerngegenstands. In einem zweiten Schritt verschaffst du dir einen Überblick zu dem Thema, du strukturierst es. Dann ist es in einem dritten Schritt wichtig, dass du einen praktischen Zugang hierzu erhältst, zur Not musst du ihn simulieren, wie es in der Schule oftmals der Fall ist. Aber: Sammle deine eigene Erfahrung. In einem letzten, vierten Schritt suchst du nach einer Anwendungssituation für deine persönlichen Ziele, d. h., du versuchst, das Wissen an persönliche Erfahrungen anzuknüpfen bzw. für persönliche Bedürfnisse zu nutzen.

Du hast dir über diese vier Schritte den Lerninhalt viel mehr zu eigen gemacht, als wenn er dir durch jemanden anderes vorverdaut offeriert würde.

In der Schule bleibt oft zu wenig Zeit, um dir all diese Freiheiten zu gewähren, aber warum nimmst du diese Ideen nicht mit nach Hause? Die Digitalisierung bzw. die digitalen Lernelemente können dich dabei unterstützen, Inhalte über das Internet zu finden, zu ordnen und über Content- oder Learning-Management-Systeme abzulegen. Du kannst aus eigenem Antrieb kommentieren (z. B. in Blogs) oder selbst Texte erstellen und Verknüpfungen vornehmen; bestimmte Apps können dich bei der Strukturierung unterstützen. Und du kannst dein Wissen selbständig teilen und dich mit anderen (z. B. Mitschülerinnen/Mitschülern) vernetzen, wenn du es willst, auf eine Weise, wie sie in einer rein analogen Welt nicht so einfach möglich war.

 

Soziale Eingebundenheit/Bindung

Das Bedürfnis nach Bindung ist möglicherweise das bedeutendste unter diesen vier genannten, denn wir Menschen sind soziale Wesen und haben ein biologisch verankertes Bedürfnis, in emotionaler und/oder physischer Beziehung zu anderen Menschen zu stehen. Die einen legen dabei mehr Wert auf Nähe, die anderen auf Distanz – Hauptsache, wir sind in die Gemeinschaft eingebunden. Wir werden schlichtweg unglücklich, wenn dieses Bedürfnis auf Dauer unerfüllt bleibt. Bindung schließt dabei alle positiven Beziehungen mit Familienmitgliedern, Freunden, Arbeitskolleginnen und -kollegen bzw. Mitschülerinnen/Mitschülern und anderen ein. Die Digitalisierung hat an dieser Stelle (vielleicht zu Recht) schon für viel Diskussionsstoff gesorgt. Kritisch zu hinterfragen ist durchaus, inwieweit wir über den Austausch von Daten/Wissen über Social-Media-Kanäle oder andere digitale Exportwege eine echte Bindung erleben. Aber andererseits gibt es viele Menschen, die immer wieder bestätigen, dass sie durch den digitalen Austausch noch so viele Kontakte pflegen, wie sie es sonst niemals gehabt hätten. Beobachte dich und dein Verhalten in dieser Hinsicht doch in nächster Zeit einmal genauer, arrangiere ein paar Treffen unter vier Augen und wäge ab – tue, was für DICH am besten ist.

Und wie sieht es mit deinem Workflow aus? Wenn du an einem Thema arbeitest, genießt du es sicherlich so manches Mal, dich selbständig, ungebunden, mit freier Zeit- und Arbeitsorteinteilung an die Arbeit zu machen. Doch mit der Zeit stellst du fest, dass dir der kollegiale Austausch fehlt und du vielleicht gern einmal Anregungen von anderen erhalten würdest. Diese kannst du dir auf kurzem Weg über verschiedene Social-Media-Kanäle einholen, doch manchmal ist etwas mehr nötig: das gemeinsame Arbeiten und Nutzen unterschiedlicher Expertise, verbunden mit einem Gefühl gemeinsamer Verantwortung. Das Erstellen von Wikis, oder das Arbeiten über google Docs oder an digitalen Pinnwänden wie ZUMPad oder padlet machen es möglich, dass jeder Einzelne eines Teams in die Produktion aller Teilergebnisse einer Aufgabe bzw. eines Projektes eingebunden wird. Wie intensiv du eingebunden sein wirst, muss immer offen bleiben und darf nicht zwingend erfolgen. Der damit verbundene kreative Austausch, das kollaborative Arbeiten, das gemeinsame Forschen und Vernetzen von Wissen binden dich sozial ein und geben dir ein Gefühl der Zugehörigkeit! Probiere es aus!

 

Lustgewinn/Unlustvermeidung

Wie viel Lust hast du derzeit zum Lernen bzw. Arbeiten? Macht es dir wirklich Spaß oder bist du eher von Unlust getrieben, weißt aber, dass es nur eine Durststrecke bis zum nächsten Urlaub ist, die du überstehen musst? Sicherlich können wir Menschen viel ertragen und längere Zeit die Zähne zusammenbeißen. Aber wir wollen nicht jeden Tag nur tun, was unlustig ist! Wir Menschen streben grundsätzlich nach erfreulichen, lustvollen Erfahrungen und versuchen schmerzhafte, unangenehme Erfahrungen zu vermeiden.

Dieses Ziel macht sich auch das Gamification-Konzept zunutze. Es zeichnet sich dadurch aus, dass Spielelemente (Punktesysteme, Levels, Auszeichnungen, Ranglisten) bzw. Spielmechanismen in einem nicht spielerischen Umfeld eingesetzt werden. Dabei wird davon ausgegangen, dass deine Lust zu lernen bzw. zu arbeiten wächst, wenn deine Lern- und Arbeitsprozesse um derartige Spielelemente ergänzt werden, da deine positiven Erfahrungen mit Spielen, dein Vergnügen, das sie dir bereiten, in die Lern- und Arbeitswelt übertragen werden.

Einsatzpotenzial hat Gamification sowohl in Lernprozessen (Wissensmanagement) als auch in Arbeitsprozessen (vor allem im Personal- und Produktionsbereich). Gamification-Tools für den Lernbereich, die du allein nutzen kannst, sind z. B. LearningApps, Quizlet oder Quizizz. Da sie auch ein unmittelbares Feedback zum Lernstand geben, wurden sie bereits im Motivationsbereich Selbstwerterhöhung/Kompetenzempfinden angeführt.

 

 

 

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